Samstag, 13. Dezember 2014

Interaktives Finden: ihr seid gefragt

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hatte bereits geschrieben, wie ich einmal eine Brille wieder gefunden habe.

Nachdem der 11. Doctor sich von Amy und Rory verabschieden musste und er Clara zweimal gesehen und zweimal verloren hat, sitz er traurig auf einer Schaukel, als ein kleines Mädchen sich auf die Schaukel neben ihm setzt. Natürlich merkt sie, dass er traurig ist. Sie erzählt ihm, was sie macht, wenn sie etwas verloren hat:

"When I lost something I go to a quiet place and I close my eyes and then I can remember where I put it." (Wenn ich etwas verloren habe, gehe ich zu einem stillen Ort und ich schließe meine Augen und dann kann ich mich erinnern, wo ich es hingelegt habe.)

Der Doctor bestätigt ihr, dass das ein guter Plan ist.

Ein Mädchen kann doch nicht ernsthaft einem Time Lord helfen, etwas verlorenes zu finden, mögt ihr vielleicht denken. Aber dieses Mädchen ist durchaus qualifiziert, denn "I am always losing things. I lost my best pencil, my school bag, my gran and my mojo." (Ich verliere immer Dinge. Ich habe meinen besten Stift verloren, meinen Schulrucksack, meine Oma und mein Mojo.)

Hier ist der ganze Clip, knapp 2 1/2 Minuten mit dem Doctor auf der Schaukel, englische Untertitel aktivierbar:

https://www.youtube.com/watch?v=lRsCh4dYURA

Und ihr? Was macht ihr, wenn ihr etwas (oder jemanden?) verloren habt?

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Sonntag, 30. November 2014

M&M: Das Cabinet des Dr. Caligari

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe länger gezögert, mir den Film anzusehen. Als ich es dann doch vor einigen Tagen getan habe, wusste ich am Ende, dass ich meinen nächsten M&M Film hatte, nämlich "Das Cabinet des Dr. Caligari" aus dem Jahr 1920. Dieser Film ist ein Stummfilm und damit für die mit Farbfilm und gesprochenen Dialogen verwöhnten Zuschauer höchst ungewöhnlich und sicher nicht für jeden etwas. Mit einer Länge von nur etwas mehr als einer Stunde, ist es aber kein Film, der überaus beanspruchen würde und keinesfalls abschrecken sollte! Außerdem ist es ein deutscher Film, wobei englische Untertitel für die Texttafeln existieren. Englischsprachige Leser meines Blogs dürfen also beruhigt sein und können ihn sich bei Interesse durchaus auch ansehen!

Francis (Friedrich Feher) erzählt einem Freund die höchst seltsamen und gruseligen Erlebnisse, die er und seine Freundin Jane (Lil Dagover) vor kurzem auf dem Jahrmarkt von Holstenwall erlebt haben. Dort trat nämlich auch Dr. Caligari (Werner Krauss) auf mit dem Somnambulisten Cesare (absolut genial gespielt von Conrad Veidt). Somnambulismus ist der Fachbegriff für Schlafwandeln, also tief zu schlafen und doch sich bewegen und Dinge machen zu können, als wäre man wach. Dr. Caligari sagt, Cesare wäre 23 Jahre alt und würde seit 23 Jahren schlafen! Cesare ist nicht nur ein Wunder, weil er seit 23 Jahren schläft. Er kann auch die Zukunft voraussagen. Alan (Hans Heinrich von Twardowski) fragt Cesare, wie lange er, Alan, noch leben würde. Cesare antwortet ihm: "Bis zur Dämmerung." Tatsächlich ist Alan am nächsten Morgen tot. Francis vermutet gleich, dass Cesare der Mörder ist und fängt an, ihm hinterher zu spionieren. Das nächste Opfer soll Jane sein. Doch als Cesare Jane sieht, ist er bezaubert von ihrer Schönheit und statt sie zu erstechen, entführt er sie. Janes Vater wird von den Geräuschen geweckt, so dass Cesare letztlich Jane sanft auf den Boden ablegt, um fliehen zu können. Bei einer Untersuchung vom Wagen von Dr. Caligari, kann dieser fliehen. Er findet Zuflucht in einer Irrenanstalt. Ob das der richtige Ort ist für Francis, um die Geheimnisse um Dr. Caligari aufzuklären? Seht selbst!

Der Stil des Films erinnert sehr an Tim Burton Filme. Vieles, z. B. Türen und Winkel, ist schräg und bizarr. Die Figur des Cesare erinnerst stark an Johnny Depp als Edward mit den Scherenhänden. Sicherlich war Tim Burton von diesem Film inspiriert für Edward. Der Film erinnert in der Aufmachung und Kulisse, eher an ein Theaterstück, auch durch die Einteilung in insgesamt 6 Akte. Eine Bühne, zumal mit schrägen Winkeln, kann höchst beengend und beklemmend wirken. In dieser Hinsicht ein höchst interessant gestalteter Horrorfilm in diesen doch jungen Jahren der Filmgeschichte. Wer Tim Burton Filme mag und sich gerne ein bisschen gruseln lässt, könnte auch an "Das Cabinet des Dr. Caligari" Gefallen finden. Habt keine Angst vor Stummfilmen, traut euch ruhig. Ich habe es nicht bereut! Ob man Angst vor Dr. Caligari haben muss, das ist wieder eine andere Frage...

Ich danke Mark Gatiss (ja, "der" schon wieder...), der mich durch seine dreiteilige Filmreihe "A History of Horror with Mark Gatiss" auf diesen ungewöhnlichen Film aufmerksam machte.

Bis zum nächsten Blog,
sarah


Donnerstag, 27. November 2014

Löchrige Logik

Liebe Leserinnen und Leser,

ich wohne im Ruhrgebiet, das heißt in einer Gegend, die von Bergbau geprägt ist. Was damals bei Kohleabbau nicht so richtig bedacht wurde, ist die Tatsache, dass durch das Anlegen der Schächte unter der Erde, die Oberfläche auch verändert wird und in Bewegung ist. Vor allem besteht die Gefahr, dass alte Schächte einstürzen und tiefe Löcher im Boden hinterlassen. In der Wohnung meiner Eltern merkt man das, wenn man sich beispielsweise im Wohnzimmer einmal umschaut. Dort und auch in den anderen Räumen sind mehr oder weniger lange Risse in den Wänden. Man darf gar nicht zu viel darüber nachdenken. Sonst steigen einem noch Bilder von Wänden in den Kopf, die plötzlich einfach umfallen oder im Boden versinken! Interessant ist auch ein Riss im Parkett zwischen Wohnzimmer und Esszimmer. Jetzt im Winter ist er fast unsichtbar und verschlossen. Im Sommer ist er deutlich zu sehen und gut mal fingerdick. Einmal hörte ich meine Mutter sagen, dass wir so in 10 Jahren oder so in jedem Fall ausziehen müssten, wenn das Haus vom Bergbau zusammenbricht oder auseinanderfällt. Ein gruseliger Gedanke, dass das Haus irgendwann einfach zusammenfallen oder auseinanderfallen würde und dann unbewohnbar wäre.

Als Fan weiß ich, dass Mark Gatiss im County Durham geboren wurde. Als dann Ende August diesen Jahres in meinen Mails vom Guardian eine Artikelüberschrift lautete "30 metre wide sinkhole appears in Durham" (30 Meter weiter Krater zum Vorschein gekommen), war ich natürlich hellhörig. Sam Hillyard war mit ihrem Hund spazieren gegangen, als sie das Loch bemerkte, das sich mittlerweile sogar vergrößert hat. Der Boden vom Loch ist nicht zu sehen. Es wird vermutet, dass jemand der rein fallen würde, nie wieder rausgeholt werden könnte. Daher wird nun gewarnt, von dem Loch Abstand zu halten. Es wird vermutet, dass es durch den Bergbau in der Gegend entstanden ist.

Regelrecht sprachlos gemacht hat mich dann aber folgende Artikelüberschrift "Kiruna: the town being moved 3km east so it doesn't fall into a mine" (Kiruna: die Stadt, die 3km verlegt wird, damit sie nicht in eine Mine fällt). Die schwedische Stadt Kiruna lebt vom Eisenerz. Der Abbau führt aber in der Stadt nun zu solchen Schäden, dass die Bewohner umziehen müssen. Einen detailierteren Artikel auf Deutsch gibt es zum Beispiel beim Spiegel nachzulesen: Kiruna: Schwedens nördlichste Stadt zieht wegen Eisenerzmine um. Typisch für die zivilisierten Menschen, dass sie sich oft erst wirklich Gedanken um ihre Handlungen und deren Folgen machen, wenn auch das eigene Leben dadurch bedroht ist. Vielleicht sind solche Zukunftsfilme wie "12 Monkeys" gar nicht so unrealistisch und die Erdoberfläche ist durch etwas verseucht oder sonst wie unbewohnbar. Oder alles ist eingestürzt von den vielen Bohrungen und Abbau der Stoffe in der Erde, das es schlicht keine Erdoberfläche mehr gibt, wie wir sie jetzt noch kennen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Mittwoch, 26. November 2014

Schmerz lass nach!

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einigen Jahren hatte ich einen Kontakt im Internet. Eines abends schrieb er mir, dass er Kopfschmerzen gehabt hätte. Ich schrieb ihm, dass ich bei Schmerzen etwas wüsste, was ziemlich sicher helfen würde. Er hatte jetzt zwar keine Schmerzen mehr, aber wollte trotzdem wissen, was ich ihm geschrieben hätte als Hilfe. Also schrieb ich ihm, dass ich dem Schmerz eine Form gebe, etwas spitzes und eckiges und dann in etwas rundes, glattes verändere, wie ich es schon ausführlicher in meinem Schmerzkontrolle Eintrag beschrieben habe. Er war sehr interessiert und fasziniert davon. Dann sah ich ihn längere Zeit nicht mehr. Als er das nächste Mal wieder online war nach mehreren Wochen, erzählte er mir, dass er einen Hautausschlag gehabt hätte. Seine Hände waren rot und müssen sehr weh getan haben. Aber er erinnerte sich daran, was ich ihm vorher erzählt hatte und dadurch taten ihm die Hände fast gar nicht weh. Er war total begeistert.

Sidney Rosen hat in seiner Sammlung von Dr. Milton Erickson Geschichten Die Lehrgeschichten von Milton H. Erickson eine Geschichte, "Schwielen", in der Erickson einem Bauarbeiter half, der nach einem schweren Unfall unter starken Schmerzen litt und bis auf die Arme völlig gelähmt war. Erickson empfahl ihm, sich von Familie und Freunden Comics geben zu lassen und von der Krankenschwester Klebstoff und eine Schere. Die Comics sollte er dann zu Alben zusammenschneiden und kleben. Wenn einer seiner Kollegen im Krankenhaus landete, sollte er ein Album an diesen Kollegen schicken.

Meine Tante väterlicherseits kannte ich aus der Kindheit immer mit einem Hund. Mittlerweile hat sie keinen mehr. Nachdem der letzte gestorben war, entschied sie sich dafür, keinen mehr zu holen, damit sie vor allem etwas freier verreisen kann. Trotzdem passt sie noch regelmäßig auf Hunde von Nachbarn auf. In der Zeitung meiner Eltern gibt es immer wieder einen Peanuts Cartoon. Ich sammelte die mit Snoopy und klebte sie dann in ein dünnes Heft für meine Tante zum Geburtstag. Eine alte Dame liest nicht unbedingt Comics. Aber wie ich ihr in der beigefügten Karte schrieb, ist das kein übliches Comic-Heft. Sie rief mich dann an und erzählte mir, dass sie jeden Tag ein bis zwei Seiten daraus las und sich sehr darüber freute.

Jedem, der selbst ein Heft erstellen will, kann ich nur raten, sehr früh damit anzufangen zu sammeln. Wenn das Buch zu einem bestimmten Tag fertig sein soll wie zu einem Geburtstag oder Weihnachten. Alle "passenden" Comics zusammen zu haben dauert unter Umständen länger als man vermuten würde. Selbst bei dünnen Heften, wie ich sie hatte. Unten seht ihr ein wirklich kleines Heft, das ich zufällig hatte und für eine Freundin mit Zitaten, auch aus der Zeitung ausgeschnitten, füllte. Eine Seite exemplarisch von innen und einmal das Buch von außen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Donnerstag, 30. Oktober 2014

M&M: Agatha Christie's Poirot: Die Halloween Party

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hatte erst lange überlegt, ob ich "Der Exorzist" heute besprechen will oder die Episode "Die Halloween Party" (Original: "Hallowe'en Party", Staffel 12, Episode 3) der "Agatha Christie's Poirot" Reihe. "Der Exorzist" ist ein klassischer Horrorfilm. Deshalb würde er durchaus passen und ich werde ihn definitiv einmal besprechen. Heute ist mir jedoch eher nach der Episode, da Hercule Poirot etwas sagt, was möglicherweise die Leserin und den Leser meines Blogs ein wenig anders stimmen wird auf Halloween. Er mag Halloween nämlich nicht besonders mit der Tradition von Grusel und Gruselgeschichten. Eine Gruselgeschichte aus dem Radio schaltet er dann auch ab, weil er es nicht mehr ertragen kann. Zu viele Morde hat er selbst untersucht, als sich ausgerechnet heute mit einem fiktiven "unterhalten" zu lassen.

Hercule Poirot ist ein belgischer Privatdetektiv, der vor allem bereit ist Freunden zu helfen. So ist es für ihn selbstverständlich, dass er sich sofort auf dem Weg macht, als seine Freundin Ariadne Oliver ihn anruft. Während einer Kinderfeier zu Halloween erzählt das Mädchen Joyce allen Anwesenden, dass sie einen Mord gesehen hätte. Obwohl sie erst jetzt begriffen habe, was sie gesehen hat und dass es ein Mord war. Eines der Spiele der Kind war, Äpfel in einem Eimer mit Wasser zu haben und ohne die Hände zu nutzen einen Apfel daraus zu essen. Joyce wird ertränkt in diesem Eimer mit einem letzten Apfel gefunden.

Keiner außer Hercule Poirot glauben der Aussage von Joyce. Sie ist ja noch ein Kind. Außerdem war sie wohl bekannt, ein wenig angeberisch zu sein und Geschichten zu erzählen.Was für einen Mord soll dieses Mädchen schon gesehen haben? Doch Poirot findet heraus, dass es in den letzten Jahren drei Todesfälle gegeben hat und Joyce möglicherweise doch die Warheit gesagt haben könnte, was einen von ihnen anging.

Die Buchvorlage mit dem gleichen Titel, habe ich (noch) nicht gelesen. Daher kann ich nicht beurteilen, in wie "gut" die Verfilmung im Vergleich gelungen ist. Die Folge an sich fand ich sehr gelungen. Ein Mord an einem Kind zu Halloween verbindet zwei gruselige Themen in einem Film. Sicher war es auch genau das, was den Schreiber der Episode, Mark Gatiss, besonders ansprach. Weiß ich doch, wie sehr er Agatha Christie bzw. eine gute Detektivgeschichte und Horror und Grusel mag. Wie bereits geschrieben, gehöre ich zu den "späteren Fans" von Mark Gatiss. Insofern ist es sicherlich kein Wunder, dass ich diese von ihm geschriebene Episode mag.

Hadley Freeman vom Guardian scheint eine ähnliche Abneigung bezüglich gewisser Verhaltensweisen von Menschen zu Halloween zu haben wie Hercule Poirot. Wobei sie in ihrem Artikel Why are Halloween costumes so ‘slutty’? (Warum sind Halloween Kostüme so 'nuttig'?) eher der Frage nach geht, warum viele Frauenkostüme so unglaublich kurz sind und viel Haut zeigen. Im Oktober! Völlig zu Recht, wie ich finde, schlägt sie vor, Frauen in diesen Kostümen einen anständigen Pullover zu geben, damit sie nicht zu sehr frieren. Neulich stieß ich auf eine Seite mit Halloween Kostümen. Ich konnte nicht umhin, und klickte mich durch ein paar Seiten der Frauenkostüme. Tatsächlich waren dort alle Kostüme, die ich gesehen habe kurz und angelegt darauf, viel Haut zu zeigen. Nicht, dass ich ernsthaft durch die Straßen ziehen würde, um Süßigkeiten zu sammeln. Aber selbst, um zu Freunden zu gehen für einen gemeinsamen Abend, würde ich diese kurzen Teile nicht anziehen. Viel zu kalt!!! Lieber werde ich mich an Mark Gatiss Anleitung für essbares(!) bzw. trinkbares authentisches falsches Horror-Film-Blut versuchen. Der dort erwähnte "Golden Syrup" kann übrigens gut ersetzt werden durch z. B. den Grafschafter Goldsaft Zuckerrübensirup. Ahornsirup soll auch gehen, finde ich allerdings etwas teuer. Für Interessierte, die wie ich, schnell überfordert sind, mit den Cup-Angaben: 1 Cup Flüssigkeiten wie Sirup und Wasser entspricht etwa 250 ml. Wer wegen dem Englischen Probleme mit der Übersetzung hat, kann sich gerne bei mir melden und ich helfe dann aus. Doch ich komme ganz ab vom Film. Ich möchte diesen Eintrag abschließen mit Hercule Poirot's letzten Worten des Filmes, nämlich:

"Halloween ist nicht die Zeit, um makabere Geschichten zu erzählen, sondern die Kerzen anzuzuünden für die Toten. Kommt, mes amis (meine Freunde), lasst uns das tun." (Halloween is not a time for the telling of the stories macabre, but to light the candles for the dead. Come, mes amis, let us do so.)

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Montag, 27. Oktober 2014

Die Wahrheit über zu positive Gedanken: der saure Apfel

Liebe Leserinnen und Leser,

zum ersten Mal ist eine deutsche Redewendung "der saure Apfel" bzw. "in den sauren Apfel beißen" passender und mir lieber als die englische Redewendung. Oft finde ich mehr Gefallen an der englischen Ausdrucksweise. In diesem Fall passt es nur "obst-mäßig" einfach besser nach meinem Die Zitrone Eintrag als das englische "biting the bullet" (wörtlich: "die (Pistolen)Kugel beißen") oder "biting the pill" (die "Pille schlucken"). Das ist nicht die Wahrheit über zu positive Gedanken. Das ist nur etwas, was ich für mich selbst gemerkt habe und muss nicht einmal der Wahrheit entsprechen.

Gabriele Oettingen von der Universität New York befasst sich mit Zukunftsdenken und Selbstregulation. Im Jahr 2011 machten Oettingen und ihre Kollegin Heather Kappes ein interessantes Experiment. Sie gaben den Probanden kein Wasser, aber ließen sie in einer angeleiteten Visualisierungsübung ein Glas kaltes Wasser vorstellen. Danach maßen sie den Blutdruck und stellten fest, dass diese Übung ihnen Energie genommen und sie entspannt hat. Sie fühlten danach tatsächlich weniger den Drang ein echtes Glas Wasser zu holen, um den ganz realen Durst zu stillen.

Oliver Burkeman vom Guardian schreibt in seinem Artikel How to be fitter, happier and more successful: stop dreaming and start getting real, dass diese Erkenntnis völlig der allgemein bekannten und vermuteten Vorstellung entgegengesetzt ist. Mir persönlich kommt da beispielsweise auch der Gedanke an The Secret - das Geheimnis so beliebt und bekannt und gefüllt mit Beispielen von Leuten, die sich mehr oder weniger etwas positiv vorgestellt haben für ihre Zukunft und dann ist es wahr geworden. Gabriele Oettingen und ihre Kollegen zeigen, dass die intensive Vorstellungen nur ein Weg zum Fehlschlag ist. Eine positive, neue Zukunft entsteht nicht durch "schön denken", sondern durch aktives Handeln und zwar andere, neue Handlungen als die bisherigen, die unbefriedigende Resultate gebracht haben. Man denke an Albert Einsteins Die Definition von Wahnsinn: immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Insofern war auch mein in Schlank zw-ei: mit Köpfchen beschriebene Idee, sich "schlank zu denken" letztlich sinnlos. Zumindest ist das nicht der einzige Weg, den jemand einschlagen sollte, wenn man schlank sein möchte. Sowieso kann es dabei nie nur einen Sache geben, die verändert oder neu gemacht werden muss und dann wäre man schlank. Engere Kleidung anziehen kann in gewisser Weise helfen. Doch was manche insbesondere Mädchen und Frauen machen ist nicht das "Schlankdenken" zu unterstützen, wie eine Presswurst sich in für alle anderen deutlich sichtbar viel zu enge Kleidung zu zwängen ist dabei nicht der Weg.

In ihrem neusten Buch Rethinking Positive Thinking: Inside the New Science of Motivation stellt Oettingen die WOOP Methode vor. WOOP steht für "wish, outcome, obstacle, plan" (Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan). Auf der WOOP Homepage finden sich nicht nur weitere Informationen, sondern auch Downloads und konkretere Hilfen für Interessierte z.B. WOOP in 24 Stunden zum anhören  (allerdings alles nur auf Englisch). WOOP ist die Idee, sich nicht nur alles schön zu denken, sondern mit "outcome" (Ergebnis) spezieller ein positives Ergebnis aus diesem Denken sich vorzustellen. Entgegen der oft populären Vorstellung, Hindernisse zu ignorieren oder sich schlicht konsequent "durchzuboxen", gehen das zweite O (obstacle, Hindernis) und P (Plan) gerade auf die Aspekte ein, weshalb so viele gute Ideen überhaupt in der Realisierung scheitern. Nämlich an Hindernissen und einem fehlenden Plan, was bei Problemen und Hindernissen getan werden kann, um trotzdem weiter zu kommen zum Ziel.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Die Zitrone

Liebe Leserinnen und Leser,

stell dir einmal, du sitzt an einem Tisch. Vor dir auf dem Tisch liegt eine Zitrone. Sie ist frisch, leuchtend gelb. Nimm die Zitrone in die Hand. Fühle ihre Struktur. Sie ist eigentlich glatt, aber hat diese kleinsten Punkte in der Oberfläche der Schale. Jetzt nimm ein Messer und schneide die Zitrone in zwei Hälften. Der Duft steigt dir in die Nase und Saft kommt an deine Hände. Nimm eine Hälfte und teile sie noch einmal. Noch mehr Duft in deiner Nase und noch mehr Saft an deinen Fingern. Traust du dich, eines der Stücke zu nehmen und den Saft zu lecken oder sogar hinein zu beißen und ein Stück Zitrone zu kauen?

Nun, musstet ihr beim Lesen dieses Absatzes schlucken? Ich weiß nicht, wie es euch ging beim Lesen dieses ersten Absatzes. Aber bei mir sammelte sich schon die Spucke, alleine durch den Gedanken an die Zitrone und den Absatz zu schreiben.

Der Effekt kommt daher, dass unser Gehirn nicht gut unterscheiden kann zwischen Gedanken und Realität. Wenn die Gedanken detailliert genug sind, sind unsere (körperlichen) Reaktionen darauf genau so wie auf das Reale.

Stell dir deine Zukunft detailliert positiv vor und du bist schon halb dort. In meinem Eintrag Verdammte Spiegelneuronen! hatte ich auch von einem ähnlichen Phänomen geschrieben, dass in unserem Gehirn, selbst wenn wir Personen sehen, die etwas machen und selbst nicht aktiv sind, die gleichen Regionen aktiv sind, als ob wir die Aktivität mitmachen würden.

Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen oder gehört habe. Ich werde es nachtragen, wenn ich es herausfinde. Jedenfalls hat es ein Experiment gegeben, wo Personen einen Gipsarm bekommen haben und entsprechend den Arm nicht bewegen konnten. Den Teilnehmern in einer Gruppe wurde gesagt, sie sollten den Arm nicht bewegen. Den anderen Gruppenteilnehmern wurden Übungen für den Arm gezeigt für wenn sie ihn wieder bewegen können, wenn der Gips wieder ab kommt. Obwohl der Arm aktuell zwar im Gips und unbeweglich war, sollten sie sich trotzdem regelmäßig vorstellen, dass sie diese Übungen real machen würden. Nach Ablauf der Zeit stellte sich heraus, dass der Verlust an Muskelmasse in der zweiten Gruppe geringer war als bei der ersten. Interessant, wie gut positives Denken also hilft, oder?

Sämtliche Annahmen treffen tatsächlich zu. Die Schlüsse, die wir und das schließt Wissenschaftler und Selbsthilfe-Gurus ein, bisher daraus gezogen haben, sind allerdings nicht ganz korrekt.

Da es allerdings jetzt schon sehr spät ist und ich auch mal früher ins Bett gehen sollte und ich mich außerdem über Leser freue, die meinen Blog verfolgen und mehrere Einträge lesen, verrate ich euch die negativen Folgen vom zu positiven Denken im nächsten Eintrag. Ja, es gibt nämlich zu positives Denken und die Folgen können manchmal sehr negativ sein.

Bis zum nächsten Blog,
sarah