Samstag, 19. Juli 2014

Multitasking ist Blödsinn

Liebe Leserinnen und Leser,

es wird oft gesagt, dass wir Frauen eher wähig sind mehrere Dinge auf einmal zu machen als Männer. Frauen sind multitasking fähig, Männer nicht. Oder sind wir letztlich doch alle unfähig zu Multitasking? Mag sein, dass ich hier gerade schreiben kann und gleichzeitig die Musik läuft und ich zusätzlich ein Chatfenster auf habe. Ich könnte sicherlich auch irgendwelche Übungen im Sitzen machen, während ich hier schreibe. Mental wäre meine Aufmerksamkeit allerdings definitiv geteilt und bei keinem der Dinge so ganz. Ohne jetzt Studien dazu recherchiert zu haben, würde ich stark annehmen, dass die Konzentration und Produktivität darunter leidet, verschiedene Dinge quasi "gleichzeitig" zu machen. Denn keines der Dinge wäre mit voller Aufmerksamkeit gemacht. Mal ganz abgesehen von der Frage, wie lange man es aushält, länger mehrere Dinge so geteilt gleichzeitig zu machen und dabei geistig und körperlich gesund zu bleiben.

Penn Jillette vom Zauberer Duo Penn & Teller hat einmal darüber gelesen, dass man lieber keine Musik hören sollte beim Radfahren. Weil es eben die Konzentration im Straßenverkehr beeinträchtigt. Streng genommen müsste man auch im Auto die Musik, das Radio, ausgeschaltet lassen. Hat Penn dann auch eine Zeit lang gemacht. Seine Erkenntnis ist nicht besonders überraschend: er stellte fest, dass er deutlich aufmerksamer war und mehr mitbekam im Verkehr.

Es gibt verschiedene Varianten einer Geschichte eines Zen-Meisters. Er wurde gefragt, was das Geheimnis seiner Erleuchtung wäre. " Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich", sagte der Zen-Meister. Der Schüler war verwirrt. Er waren fest überzeugt, dass er das auch machte. "Nein", sagte der Zen-Meister. "Wenn du aufsteht, denkt du daran, was du essen wirst. Wenn du isst, denkst du daran, wohin du gehen wirst."

Für Kenner dieser Geschichte gibt es quasi eine Fortsetzung. Der Zen-Meister sitzt am Morgen am Tisch, isst sein Frühstück und liest die Zeitung. "Meister", sagt der Schüler. "Hast du nicht gesagt, wenn du isst, dann isst du nur. Wenn du gehst, dann gehst du nur? Jetzt sitzt du hier und isst dein Frühstück und liest gleichzeitig die Zeitung. Ist das nicht ein Widerspruch zu deiner Lehre?" Darauf der Zen-Meister: "Wenn ich die Zeitung lese und frühstücke, lese ich die Zeitung und frühstücke nur."

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Montag, 14. Juli 2014

Erinnert euch einfach nur zu atmen

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt diverse Entspannungstechniken, Kurse, Therapien und was nicht noch alles, um wieder entspannter zu werden, klarer denken zu können und/oder einfach mal wieder zur Ruhe zu kommen. Das einfachste und offensichtlichste wird dabei oft vergessen: einfach mal nur zu atmen. In einer angespannten Situation oder wenn wir nervös sind, reagieren wir viel zu oft mit flacher Atmung oder halten sogar die Luft an, statt tief durchzuatmen oder wenigstens normal weiter zu atmen.

Viele, die mit Bauchreden anfangen, werden wahrscheinlich feststellen, dass die Atmung, die man anwendet dafür, auf die Bauchmuskeln geht. Vor allem auf die, die wir sonst eher nicht so sehr beanspruchen. Oft liest man etwas von vernachlässigter Zwerchfellatmung. Als ob wir jemals wirklich ohne Zwerchfell atmen würden. Es stimmt schon, dass wir eher flach atmen und nicht bewusst tief in und aus dem Bauch heraus. Der Darm wird immer wieder das zweite Gehirn genannt. Genau so, wie wir manchmal gähnen, um unser Gehirn im Kopf zu durchlüften, tut es gut, den Bauch zu entspannen durch bewusstes atmen. Kostet nichts!

In dieser hektischen Zeit täte es uns allen gut wieder mehr zur Ruhe zu kommen. Meditation in dem Sinne ist nicht einmal zwingend nötig. Vielen fällt es sogar schwer, eine Weile nichts zu denken. Ich kenne Leute, die behaupten, sie würden besser unter Zeitdruck arbeiten. Manchen wird plötzlich langweilig, wenn sie nicht wenigstens noch fünf Dinge auf ihrer "To-Do Liste" haben. Irgendwann haben sie dann Burnout. Wer während einer Zeit der Ruhe mit dem Denken nicht völlig aufhören will, kann alternativ zum Beispiel von 1 bis 10 zu zählen und nach 10 wieder bei 1 anzufangen. Mit ein paar Wiederholungen, ohne darauf zu achten, wie viele male die 10 erreicht wurde.

Überhaupt wäre es manchmal nicht schlecht "erst zu denken, dann zu reden". Vor allem in Konfliktsituationen. In Noel Cowards "Private Lives" finden sich zwei Paare während ihrer Flitterwochen in einem Hotel. Wie es der Zufall so will, ist der Mann eines der Paare mit der Frau des anderen Paares früher zusammen gewesen. Durch angrenzende Zimmer finden sie sich nun wieder und streiten sich auch wieder. Eigentlich wollen sie nicht streiten. Sie schließen eine Abmachung: wenn einer der beiden merkt, dass sie wieder anfangen zu streiten, spricht die Person ein verabredes Schlagwort. Danach sprechen beide für zwei Minuten nicht mehr. Zwei Minuten mit der Option zur Verlängerung. Mir gefällt diese Abmachung sehr.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Mittwoch, 9. Juli 2014

Sinnliche Sinne

Liebe Leserinnen und Leser,

oft wünschen wir uns ein negatives Gefühl weg. Ich habe bereits in einem anderen Eintrag über die Möglichkeit von Schmerzkontrolle geschrieben. Schmerzen sind aber nicht die einzige Wahrnehmung, die wir bei uns oder anderen beeinflussen können. Positive Gefühle könnten wir genau so verstärken.

Im Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP) wird davon ausgegangen, dass wir für alle Gefühle eine Art Programm haben, das abläuft. Bestimmte Programme laufen ab und dann sind wir traurig. Bestimmte andere Programme laufen ab und dann sind wir fröhlich. Der Auslöser ist natürlich nicht immer gleich. Auch das Programm für ein bestimmtes Gefühl ist nicht bei allen Menschen gleich. Für einen bestimmten Menschen ist z. B. das Programm "Lachen" aber immer gleich. Das heißt, die Prozesse, die ablaufen, bis die Person lacht, sind gleich. In vielen Demonstrationen kann man Richard Bandler, einer der Entwickler des NLP, sehen, wie er bewusst Personen zum Lachen bringt. Nicht durch Witze, sondern er setzt, was man im NLP "Anker" nennt, quasi Auslöser. Werden diese wieder genutzt, hat die Person sofort wieder das Gefühl. Das mag als Demonstration lustig sein, wenn man jemanden nur beispielsweise auf die rechte Schulter tippen muss und sie krümmen sich vor Lachen.

Interessanter ist es erst dieses Wissen und diese Art Kontrolle über Gefühle und Wahrnehmungen bewusst im realen Leben steuert. Vor einigen Jahren muss ich mir einen Anker für Wärme gesetzt haben, ohne es zu merken. Leider viel zu oft passiert es eher mit negativen Ankern. Schockmomente führen zu Phobien oder jemand hat euch in einer bestimmten Weise grob angefasst oder auch nur zum Beispiel auf einer festen Weise auf die Schulter geklopft. Wenn jemand anderes euch in einer ähnlichen Weise anfässt oder auf die Schulter klopft, kommen (oft) unbewusst Erinnerungen wieder hoch und ihr spannt euch an, euch geht es schlecht. Auch lieb gemeinte Berührungen, können daher beim anderen negativ ankommen. Ich würde vor allem Personen im sozialen Bereich empfehlen auf solche Reaktionen zu achten und entsprechend die Berührung nicht zu wiederholen, wenn mit Anspannung oder ähnlich reagiert wird. Zurück zu meinem Anker für Wärme. Ich konnte mir mit der rechten Hand an die linke Schulter fassen und mir wurde deutlich wärmer. Auf einer Studienfahrt habe ich dies genutzt. Eine Terrasse im Freien befand sich einige Stockwerke unter unseren Zimmern. Ich wollte nicht umständlich hoch, eine Jacke oder Pullover holen und die interessanten Gespräche verlassen. Also fasste ich mir immer wieder an die linke Schulter.

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Infektion erst an meiner rechten Hand, aber da sie eine Woche lang falsch behandelt wurde, übertrug sie sich auch auf die linke Hand. Manche Nächte wachte ich auf, bewusst um zu kratzen. Nur wenn ich wach war, konnte ich das unglaublich starke Bedürfnis zu kratzen meistens kontrollieren und beherrschen. Ich stellte mir dabei, ähnlich wie bereits im Schmerzkontrolle Eintrag beschrieben vor, dass ich in einem Wald wäre und meine Hände von kaltem Flusswasser umspült würden. Die Farbe blau half mir sehr und auch der Gedanke an Kühle von einem fließenden Fluss. Es wäre wie eine leichte Massage oder etwas ähnliches und blau ist ein Kontrast zu den von der Infektion roten Händen. In einer Nacht konnte ich länger nicht einschlafen und die Hände juckten sehr. Kratzen würde natürlich nichts nützen. Also stellte ich mir vor, dass die Hände eingegipst wären in blauem Gips. Selbst wenn ich mit eine Hand zur anderen reichen würde zum Kratzen, käme ich gar nicht ran. Der Gips wäre dazwischen. Also lag ich da, die Hände unbeweglich und sclief endlich ein.

Einmal kam ich nachts erst mit der U-Bahn nach Hause und musste dann den Rest, wie üblich, mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Ich hatte nur eine dünne Jacke. In der Bahn hatte ich Musik gehört. Für die Fahrt mit dem Fahrrad machte ich den Player aus. Ich stieg aufs Fahrrad und fuhr los. Ich summte irgendeine Melodie vor mich hin. Als ich aus keinem bestimmten Grund einfach aufhörte zu summen, wurde mir plötzlich deutlich kalt. Seltsam, dachte ich mir. Ich fing wieder an zu summen und mir wurde wieder warm. Summen machte mich warm? Noch einmal hörte ich kurz auf zu summen, bis ich entschloss, den restlichen Weg über zu summen.

An kalten Winternächten hilft mir das gelbe Licht der Straßenlampen, dass mir etwas wärmer wird. Ich werde jetzt nicht im Detail darauf eingehen, sondern in einem anderen Eintrag separat darüber schreiben. Aber Musik kann, unter Umständen, meine Wahrnehmung der Zeit beeinflussen, dass sie für mich gefühlt schneller oder langsamer vergeht als real objektiv.

Wir alle können Einfluss nehmen auf unsere eigene Wahrnehmung und auf die anderer. Dafür müssen wir nur wissen, welche Sinne jeweils in welcher Art beeinflussen. Spinnen sind nicht an sich beängstigend, sondern werden es erst, wenn wir sie uns riesig groß vorstellen mit ihren langen dünnen Beinen und möglicherweise als seltsam pelzige Wesen mit vielen Augen, idealerweise noch in Farbe und wie sie sich bewegt und auf uns zu krabbelt. Ich habe normalerweise keine Angst vor Spinnen, obwohl ich keine unbedingt anfassen will. Wenn ich mir nun die Spinne in der beschriebenen Weise vorstelle, wird sie auch mir gruselig und unangenehm.

Eine so genannte NLP Fast Phobia Cure, eine kurze und schnelle Behandlung von Phobien, dauert bei Könnern unter Umständen gerade einmal 5 bis 10 Minuten. Vereinfacht und kurz ausgedrückt, wird dabei die Darstellung im Kopf überprüft, vor allem bildlich-visuelle Aspekte und Geräusche. Das heißt es können auch mehrere Sinne verändert werden. Je mehr Sinne verändert werden, desto intensiver ist das Erleben. Eine deutliche Veränderung kann aber auch schon bringen, wenn nur in einem Sinn verändert wird. Durch eine Umkehrung möglichst vieler Aspekte wird das, was vorher so beängstigend wirkte, ins harmlose Gegenteil gekehrt. Kalt wird heiß und heiß wird kalt. Schnell wird zu langsam und langsam wird zu schnell. Und vieles mehr. Ich kann jeden nur dazu einladen, zu experimentieren und bei sich selbst zu testen, was Einflussfaktoren sind und diese einfach zum Spaß zu verändern, um zu prüfen, was dann passiert. Im ungünstigsten Fall machen solche Veränderungen ein bisschen Spaß, im günstigsten Fall können sie wirklich helfen. So wie ich sie nutzt, um nicht zu kratzen oder damit mir nicht mehr kalt wäre.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Montag, 30. Juni 2014

M&M: Prestige - Meister der Magie

Liebe Leserinnen und Leser,

heute möchte ich euch einen Film mit Zauberern und über Zauberei vorstellen. Nein, natürlich nicht Harry Potter! Diesen Zauberer dürften wahrscheinlich alle kennen und selbst diejenigen, die weder die Bücher gelesen, noch die Filme gesehen haben, wissen wahrscheinlich genug über ihn, dass ich nicht noch darüber in meinem Blog schreiben müsste.

Der Film "Prestige - Meister der Magie" stammt aus dem Jahr 2006 mit Christian Bale als Alfred Borden und Hugh Jackman als Robert Angier in den Hauptrollen. Borden und Angier sind zunächst Zauberer, die zusammen arbeiten. Wobei Borden als eher junger Zauberer mehr ein Handlanger ist oder Zuschauer spielt. Eines Tages geht ein Entfesslungstrick jedoch schief und Angiers Frau, die gefesselt in einem Wassertank unter Wasser ist, stirbt. Da Borden als Zuschauer getarnt den wichtigen Knoten gebunden hat, gibt Angier ihm die Schuld am Tod seiner Frau. Zwangsläufig gehen die beiden danach getrennte Wege. Allerdings nicht ganz, denn beide setzen viel daran, den anderen auffliegen zu lassen und der bessere, wenn nicht sogar der beste Zauberer, zu sein.

Beide entwickeln eine Nummer: sie steigen in einen Schrank und nur Sekunden später treten sie aus einem zweiten Schrank. Das ist das Grundprinzip der großen Nummer, die beide nun haben. Nutzt Borden ein Double? Aber Angier hat ihn bei einer seiner Rachefeldzüge so schwer verletzt, dass er Finger an einer Hand verloren hat und sowohl Borden, der in den Schrank steigt, als auch Borden, der aus dem Schrank tritt, fehlen diese Finger. Angier wiederum reist von Großbritannien nach Amerika, um den Physiker Nikola Tesla (David Bowie) zu treffen. Tesla hat wirklich existiert und war bekannt für außergewöhnliche Erfindungen. Wie einige seiner Erfindungen, die er präsentierte funktionierten, ist bis heute nicht geklärt. In "Prestige" sehen wir, wie er Angier eine Glühbirne reicht, die dieser einfach nur in der Hand hält und dann leucht sie. Aber reichen solche Kunststücke und Erfindungsreichtum aus, um Angier einen zweiten Mann zu beschaffen?

Angier will Borden unbedingt und endgültig vernichten. Das heißt, er muss ihm eine Falle stellen. Borden gelangt bei einer Vorführung hinter die Bühne und sieht, wie Angier im Wassertank scheinbar feststeckt. Der Deckel lässt sich nicht mehr öffnen. Angier ertrinkt. Es kommt zur Verhandlung. Borden, der mittlerweile eine Frau und Tochter hat, droht die Todesstrafe. Sein Leben bis dort hin ist der größte Teil des Films. Als Borden im Gefängnis auf seine Hinrichtung wartet, bekommt er von einem Herren Besuch. Erst als dieser bekannt gemacht hat von nun an für Bordens Tochter zu sorgen und dabei ist zu gehen, erkennt Borden den Mann. Es ist Angier! Borden ist also kein Mörder!

Am Ende haben beide Zauberer einen hohen Preis gezahlt für ihre große Nummer und sie wissen auch das Geheimnis des anderen und was die Nummer den anderen gekostet hat.

"Prestige" ist für mich deshalb etwas besonderes, weil ich mich selbst für Zauberei interessiere und ein bisschen zaubere. Ich garantiere euch, dass fast alle Tricks real und möglich sind, so wie sie dargestellt werden. Im Gegenteil zu dem Film "The Illusionist" sind die Tricks von den Schauspielern gelernt und wirklich vor der Kamera vorgeführt. "The Illusionist" enttäuscht in der Hinsicht sehr, weil vieles real möglich gewesen wäre, aber zumindest für mich eindeutig über "Filmtricks" gemacht wurde. "Prestige" ist in der gezeigten Zauberei so real, wie es für den Film nur sein kann.

 Meine absolute Lieblingsszene im Film ist wenn Borden im Gefängnis dem einen Wärter eins auswischt. Das macht er durch die Kombination von zwei Grundprinzipien. Er zeigt dem Wärter einen Ball und wirft ihn in die Luft. Einmal. Das soll ein Zaubertrick werden? Ein zweites Mal. Okay, wir haben es verstanden. Beim dritten Mal schauen wir in die Luft und oft hat der Zauberer dann den Ball nicht in die Luft geworfen. Für das menschliche Auge, gewöhnt an die Routine vom Ball in der Luft, wirkt es dann, als ob der Ball mitten in der Luft einfach verschwindet. Das zweite Prinzip ist, dass der Zauberer den Trick scheinbar schief gehen lässt. Er steht wie ein Idiot da. Als Borden den Ball zum dritten Mal fangen will, entgleitet er ihm aus der Hand und fällt vom Tisch. Der große Zauberer für Mord im Gefängnis, kann nicht wie Houdini fliehen und dann kann er nicht einmal ein drittes Mal einen Ball werfen und richtig fangen. Gefällt natürlich dem Wächter, bis...

Einige Zauberei Hinweise und Anekdoten noch für Interessierte:
-  Tesla ist nicht die einzige reale Person in "Prestige". In einer Vorstellung sieht Borden einen Chinesen, Chung Ling Soo, der die Welt (inklusive Harry Houdini!) getäuscht hat. In Wirklichkeit war er nämlich ein Amerikaner mit Namen William Ellsworth Robinson. Doch die ersten und einzigen englischen Worte, die er jemals auf einer Bühne sprechen sollte, waren kurz vor seinem Tod: "My God, I've been shot" (Mein Gott, ich bin angeschossen worden.) Borden wird im Verlauf des Films von Robinson inspiriert werden.
- Angeschossen wurde Robinson während des sogenannten Kugeltricks, einem klassischen Zaubertrick, den auch Borden im Film ausführen wird. Robinson gehört zu den 11 Zauberern, die sich nicht genug abgesichert haben, und die der Trick das Leben kostete.
- Klassische Zaubertricks im Film zu sehen: der Wassertank (bekannt gemacht vor allem durch Harry Houdini), das "chinesische Ringspiel", Münztricks, der Kugeltrick. Ich weiß nicht, wie der Trick heißt, aber Angier versucht sich einmal mit einem, bei dem verschiedene Dinge her gezaubert werden aus einem langen Gewand des Zauberers und zum Abschluss in der Regel ein großes Glas gefüllt mit Wasser und einem Goldfisch drin.

Ich gebe zu, dass ich den Film länger nicht mehr gesehen habe. Daher fallen mir gerade keine weiteren Hinweise oder Anekdoten ein. Bestimmt habe ich einige vergessen. Wenn mir noch welche einfallen, trage ich sie später hier nach. Jedenfalls ist der Film für mich als Interessierte und quasi selbst Zauberin ein wahres Vergnügen zu sehen mit allen realen Bezügen und vor allem weil die gezeigten Tricks fast alle real machbar sind, so wie sie gezeigt werden.

Außerdem gefällt mir die Filmmusik von David Julyan sehr. Daher verlinke ich euch heute ausnahmsweise auch explizit zusätzlich zur Filmmusik.

Grundlage für den Film war das gleichnamige Buch von Christopher Priest. Wie so oft ist das Buch anders als der Film. Im Buch haben Angier und Borden etwa nie zusammen gearbeitet. Angiers Frau kommt auch nicht um, sondern ist schwanger und verliert durch Borden ihr Kind. Das Buch ist in mehrere Abschnitte aufgeteilt über Tagebucheinträge, die man liest und die Rivalität der beiden zieht sich dort über mehrere Generationen. Die Geschichte der Zauberei wird dort auch mehr ausgearbeitet. Die Entwicklung der beiden Zauberer bis sie auf der Bühne ihre Tricks vorführen ist nachlesbar. Das Buch ist anders. Film und Buch sind aber auch einfach zwei unterschiedliche Medien mit ihren eigenen Mitteln zu erzählen und Spannung aufzubauen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

 

Donnerstag, 26. Juni 2014

Zwei in Einem

Liebe Leserinnen und Leser,

der Löwenzahn blühte im Garten so viel, dass ich nur etwa ein Viertel aller Blüten im Garten pflücken musste für die doppelte Rezeptmenge von der Löwenzahnmarmelade, die ich im April gemacht habe. Doch dann kam der Gärtner und mähte den Rasen und dann war die Löwenzahnblüte vorbei. Es scheint, als ob ich keine Löwenzahnmarmelade mehr machen könnte in diesem Jahr. Kaum jemand weiß, dass Löwenzahn kein Unkraut ist, sondern nutzbar. Die Blüten kann man auch für Tee nehmen. Ich würde gerne Löwenzahntee probieren. Mein erster hat definitiv zu lange gezogen und war zu bitter. Jetzt fehlen mir die Blüten. Immerhin wachsen noch die Blätter für meine Meerschweinchen.

In Japan hat die Regierung das Erschießen der Spatzen ausdrücklich erlaubt. Sie fressen dort das Getreide für die Menschen. Da die Spatzen weg sind, sind die Getreide nun befallen von Käfern. Also werden Pestizide genutzt, um diese zu vernichten. Die Pestizide vernichten allerdings nicht nur die Käfer, sondern töten auch die Bienen. Als Folge müssen in Japan nun Menschen die Pflanzen bestäuben. Will jemand eine Vermutung abgeben, wer besser bestäubt: Bienen oder Menschen?

So einiges könnte genutzt werden mit ein bisschen mehr Information und Wissen. Statt dessen wird alles, was nicht gewollt ist vernichtet. Aber, hey, vielleicht ist der Mars in einigen Jahrzehnten bewohnbar! Da die Erde nicht mehr schön genug ist, könnten wir ja dort hin umziehen. Wäre das nicht toll?

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Freitag, 20. Juni 2014

Zwei einhalb Kulturen

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt zwei große Kulturen der Menschen. Das eine sind die Naturvölker, vor allem früher auch Wilde genannt. Sie lebten und leben seit sie denken können ohne wesentliche Veränderungen und vor allem leben sie im Einklang mit dem Teil der Welt um sie herum. Die anderen nennen sich Zivilisierte, breiten sich über den gesamten Planeten aus und zerstören nicht nur den Planeten. Ihre Lebensweise ist so fordernd, dass viele krank sind und sie möglicherweise sich selbst damit auch kaputt machen. Viele sind derart verzweifelt, dass sie sich tatsächlich selbst töten. Freilich ist nicht jede Tötung eindeutig auf diese seltsame Lebensweise zurückzuführen.

Daniel Quinn nutzt in seinem Buch Ismael (Original: Ishmael) ein anderes Wortpaar für diese beiden Kulturen. Obwohl er eine Kultur als zerstörerisch beschreibt, will er dennoch weg von den grundsätzlichen Vorurteilen, mit denen Zivilisierte und Naturvölker oder gar Wilde besetzt sind. Angelehnt an den Spruch "nimm oder lass es" (take it or leave it) kommt er auf "Nehmer" (Takers) für die Zivilisierten und "Lasser" für die Naturvölker. Man kann sich nun darüber streiten, wie viel Sinn es macht, ein neues Wortpaar zu nutzen. So wie andere Dinge umbenannt werden, um vom jeweiligen schlechten Image wegzukommen. Daniel Quinn selber ist mittlerweile wieder dazu übergegangen von Zivilisierten und Naturvölkern zu schreiben. Seine Bücher, nicht nur Ismael/Ishmael sind durchaus bekannt. Möglicherweise ist er von seinem Wortpaar wieder abgekommen, weil es am Ende doch kaum eine Rolle spielt, wie die beiden Völker bezeichnet werden.

Auf einen Aspekt möchte ich unabhängig davon noch aufmerksam machen. Daniel Quinn betont, dass es keine eine richtige Lebensweise für die Menschen gibt. Obwohl die Zivilisierten sich ausbreiten und damit genau diesen Gedanken verbreiten. Nämlich dass ihre Lebensweise die richtige und erstrebenswert für alle Menschen ist. Andererseits ist es deutlich, dass die Lebensweise der Naturvölker weitaus ruhiger für die Menschen ist und auch weniger belastend für die Umgebung der Menschen mit dieser Lebensweise. Wenn die Zivilisierten so zerstörerisch in ihrer Lebensweise sind, wäre es möglicherweise doch besser, wenn diese Kultur und Lebensweise zestört würde. Zumal damit auch die Zerstörung der Erde durch den Menschen aufhört. (Ob damit auch der Klimawandel aufhört und die Erde insgesamt "stabil" bleiben würde ist ein anderes zweifelhaftes Thema.) Ich gehe davon aus, dass die Naturvölker eher nur sich selbst verteidigen würden, aber nicht von sich aus die Zivilisierten angreifen würden. Diese, so hat die Geschichte gezeigt, sind ohnehin viel zu mächtig. Eine Zerstörung der Zivilisation zur Rettung der Erde würde also von innen heraus geschehen. Von Menschen, die unzufrieden sind mit dieser Lebensweise und dem ein Ende setzen wollen. Aber, wenn die Zivilisation voraussichtlich nur von Zivilisierten zerstört wird, würden die Kämpfer dann letztlich nicht sich selbst bekämpfen? Vielleicht sind sie so etwas wie zwischen den beiden Kulturen. Eine halbe Kultur?

Außerdem, was ist, wenn die Zivilisation mit all ihren Fehlern nur ein Zwischenschritt ist für die Menschheit zur nächsten Stufe? Ähnlich wie ein Kind erst unbeholfen krabbelt, ehe es lernt zu laufen? Woran würden wir erkennen können, ob die Zivilisation eher ein Virus ist, etwas das besser zerstört sein sollte zum Schutz aller anderen oder ob es nur eine unbeholfene Zwischenstufe zu etwas viel besserem ist?

Immerhin: mehr und mehr junge Indianer zeigen wieder Interesse an ihrer eigenen Kultur und auch allgemein wahrzunehmen, dass sich Menschen wieder Selbstversorgung, Feuer machen und ähnliche damit verbundenen Themen interessieren. Ich weiß nicht, wie viel so etwas wirklich letztlich bringt. Zumindest geht das Wissen darüber durch solche interessierten Menschen nicht verloren. Bringt es der Erde wirklich etwas? Könnten die Zivilisierten, die bisher dieses Interesse hatten tatsächlich bei einem Zusammenbruch der Zivilisation so leben? Keine Ahnung. Möglicherweise wird das die Zukunft zeigen, wenn es soweit ist.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Dienstag, 10. Juni 2014

Ein Bauch-Eintrag

Liebe Leserinnen und Leser,

meinen Blog habe ich "Bauchgefühl" genannt, anfangs vor allem wegen meinem Interesse fürs Bauchreden. Vor kurzem habe ich einen Abend lang... nein, nicht vor der Glotze gehangen, sondern bei Youtube. Von einem Video kam ich zum nächsten und irgendwann stieß ich dann auch auf eines mit dem Titel "Hilfe bei Autismus". Ich erwartete das "übliche" Autismus ist ein "Defekt" im Gehirn, genetisch bedingt, anfangs sind die Kinder noch normal und so zwischen 1 bis 3 Jahren werden sie "komisch". Manche haben Glück und lernen zu kommunizieren, andere sind ein kompletter Pflegefall und können nicht reden.

Falsch für diesen Film. Jedenfalls zum Teil. Dieser Film erzählt von Adar Hassan mit ihren Söhnen, die aus Somalia nach Amerika kam. Zwei ihrer Söhne sind autistisch. Es fing für einen von ihnen an, nachdem er wegen Atemwegserkrankungen mit Antibiotika behandelt worden war. Sie hat sich den amerikanischen Essgewohnheiten zunächst angepasst. Wenn sie aber, wie für in Somalia auch, frisches Essen kocht für ihre Söhne, sind ihre autistischen Züge weniger ausgeprägt. Viele Immigranten haben ähnliche Entwicklungen bei ihren Kindern festgestellt.

Aber auch der Sohn von Ellen Bolte, die in Amerika lebt, hat einen Sohn, der plötzlich autistisch wurde. Ihr Sohn wurde behandelt nach einer Ohrinfektion. Wie Adar Hassans Sohn, bekam der von Ellen Bolte Antibiotika verschrieben und entwickelte anschließend die autistischen Züge. Ellen Bolte beschäftigt sich daraufhin mit Darmbakterien und findet einige interessante Dinge heraus. Seht es euch am besten selbst an:

http://www.youtube.com/watch?v=6NCGBA9V_VE (ca. 52 Minuten Laufzeit)

Ich frage mich, ob Störungen wie ADS/ADHS ähnliche Ursachen haben könnten. Jedenfalls sehe ich die Behandlung mit Tabletten zur "Ruhigstellung" kritisch.

Giulia Enders und ihr Darm mit Charme deuten auf ähnliches hin, nämlich dass wir unserem Bauch viel zu wenig Beachtung geschenkt haben bisher und möglicherweise so einiges aufzuholen haben in dieser Angelegenheit. Wie eigentlich kaum anders zu erwarten, hat Giulia Enders ein Buch herausgebracht, dieses hier:



Für diejenigen unter euch, die genug Englisch verstehen kann ich noch den Vortrag von Dr. Nancy O'Hara empfehlen, die die Verbindung zwischen dem Darm und Autismus ebenfalls unterstreicht in ihrem Vortrag


Autism & ADHD: Healing From The Inside Out (ca. 21 Minuten Laufzeit)


Bis zum nächsten Blog,
sarah