Sonntag, 24. August 2014

Gefühle zeigen

Liebe Leserinnen und Leser,

Arno Funke dürfte deutschen Lesern unter Umständen noch bekannt sein unter seinem Namen "Dagobert", den er sich als Kaufhaus-Erpresser zwischen 1988 und 1994 selbst gab. Er arbeitete als Lackierer von Motorrädern und Sportwagen. Um sich einen Neustart in Selbstständigkeit zu finanzieren, erpresste er Kaufhäuser. Später sagte er, die eingeatmeten Lösungsmittel während der Lackarbeiten hätten sein Gehirn verändert und zu Depression geführt. In seiner Autobiografie (Mein Leben als Dagobert) schreibt er, dass der schleichende Prozess in die Depression und Gefühllosigkeit ihm damals nicht bewusst war. Seine Festnahme und Therapie, die dazu führten dazu, dass er wieder Zugang zu seinen Gefühlen bekam. Dadurch konnte er auch wieder zeichnen und kreativ sein.

Sherlock Holmes und sein Bruder Mycroft werden als eher gefühllos dargestellt. In der BBC Serie "Sherlock" gibt es eine Szene in "Ein Skandal in Belgravia" (A Scandal in Belgravia, Staffel 2, Episode 1) wo Sherlock und Mycroft in der Leichenhalle vom St. Bartholomew's Hospital in London zusammen stehen. Sherlock hat gerade eine Leiche als Irene Adler identifiziert. Im Treppenhaus hört Sherlock Trauernde vorbei gehen. "Es geht ihnen allen so nah. Fragst du dich je, ob irgendwas mit uns nicht stimmt?", fragt Sherlock seinen Bruder. Denn obwohl Sherlock Irene Adler vorher getroffen hat und auf gewisse Weise von ihr fasziniert war, scheint ihr Tod jetzt zu Weihnachten weder ihn, noch Mycroft irgendwie zu berühren. "Alles Leben endet. Alle Herzen werden gebrochen. Mitgefühl bringt keinen Vorteil. Sherlock", antwortet Mycroft drauf. Ein bisschen Mitgefühl zeigt Mycroft trotzdem, denn er gibt seinem kleinen Bruder eine Zigarette und das, obwohl Sherlock eigentlich bemüht ist, mit dem Rauchen aufzuhören.

Sherlock Holmes ist sicherlich eine erfundene Person. Daher ist fraglich, wie realistisch so ein gefühlloser Mensch ist. Wobei Soziopathen tatsächlich kein Mitgefühl haben und insofern abgeschottet sind von ihren Gefühlen, insbesondere anderen gegenüber.

So schwer und nervig es manchmal auch ist, von Gefühlen überwältigt zu sein. Letztlich ist es wahrscheinlich doch besser und menschlicher, Gefühle zu haben und sie zu zeigen. Den Spruch von wegen "Indianer kennen keinen Schmerz" und deshalb dürften vor allem Jungen nicht weinen, ist völlig absurd. Mädchen und Frauen sind wohl allgemein emotionaler. Sie sind letztlich für die Versorgung der Kinder meist hauptverantwortlich. Da macht es Sinn, dass sie besonders Gefühle zeigen können und bei anderen, bei den Kindern, erkennen und entsprechend reagieren. Das heißt trotzdem nicht als Konsequenz, dass Jungen und Männer deshalb die "Starken" sein müssen und gar keine Gefühle zeigen sollten. Gefühle gehören zum Leben. Gefühle gehören zum Menschsein. Ob es uns gefällt oder nicht. Auf Dauer wäre es nicht gut, Gefühle zu verstecken oder immer nur runter zu schlucken. Wie im Fall von Arno Funke, führt so etwas eher zu negativen Entwicklungen und dabei geht uns einiges verloren. Auch wenn Gefühle manchmal blockieren und überwältigen und wir nicht mehr klar denken können, obwohl wir es uns wünschen würden. Gefühle sind wie ein Fluss, sie verändern sich. Eine Situation, die uns in einem Moment völlig fertig macht, wird mit der Zeit besser verkraftet und dann geht es weiter.

Falls ihr doch einmal deprimiert oder depressiv sein wollt, befolgt wenigstens Charlie Brown's Rat:

http://www.mmdiesein.de/ARCHIV/BLOG/Peanuts-Depressionen.jpg

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Montag, 18. August 2014

Mein Wundergarten (oder Schnell einschlafen Teil 2)

Liebe Leserinnen und Leser,

ich hatte schon einmal beschrieben, was helfen kann, um (schneller) einzuschlafen (Schnell einschlafen... wenn man will und daran denkt...). Heute möchte ich eine weitere Methode vorstellen, die mir vor Jahren geholfen hat. Ich wende sie länger nicht mehr an, weil ich ganz gut auch so schnell einschlafen kann und mir die im ersten Eintrag vorgestellten Methoden ausreichend helfen. Trotzdem halte ich sie für effektiv. Als ich damit anfing, war mir nicht bewusst, dass es eigentlich eine Hypnose-Methode ist. Erst als ich später über Hypnose las, erkannte ich eben diese Methode wieder. Was ich im folgenden beschreibe ist meine eigene Vorstellung. Natürlich steht es euch frei, Elemente davon abzuwandeln nach euren Wünschen und Vorstellungen.

Ich hatte die Augen geschlossen und stellte mir eine Steintreppe in einem Gebäude aus Stein vor. Etwas wie ein Gang in einer Burg. Die Stufen waren deutlich zu sehen, auch wenn es nicht in dem Sinne hell war. Ich habe nie die Stufen gezählt und bin längst nicht jede bewusst runter gegangen. Manchmal habe ich auf der ersten Stufe gesessen und einen Moment gewartet, ehe ich aufstand und anfing runter zu gehen. Manchmal war ich nach ein paar Stufen "einfach unten". Am Ende der Stufen war eine geschlossene runde Tür aus Holz mit einem Türknauf.

Hinter der Tür befindet sich ein Garten mit einem Weg, der eine Biegung hat. Der Garten blüht mit vielen bunten Blumen. Der Leser mag Freude daran finden sich zu einigen Blumen zu beugen und zu schnuppern. Gibt es auch in eurem Garten Schmetterlinge? Gehen wir weiter den Weg entlang. Erst ein Stück gerade aus. Dann kommen wir zur Biegung. Noch ein Stück weiter. Der Weg führt zu einem Tisch mit ein paar Stühlen und einer Bank.

Es ist für mich jedes Mal eine Freude und Überraschung wer dieses Mal am Tisch sitzt und auf mich wartet. Manchmal sind die zwei Stühle, die ich dort habe besetzt und auch auf der Bank sitzen ein oder zwei Personen. Manchmal sitzt nur eine Person dort. Dabei ist es nie eine Person, die ich real kenne, aber immer welche, von der ich vermuten würde, dass ihre Gesellschaft mir Freude bereiten würde oder Gespräche mit ihnen mich inspirieren könnten. Zauberer, wie Derren Brown, der als "psychologischer Illusionist", wie er sich nennt, selbst viel Hypnose anwendet und mich in den Schlaf "hypnotisieren" könnte. Obwohl bisher im Garten noch keiner jemals gesprochen hat. Oder Teller vom Zauberer Duo Penn & Teller. Während seiner Auftritte spricht er zwar nie, oder wenn versteckt (mit dem Rücken zum Publikum oder sonst wie den Mund verdeckt. Es gibt trotzdem auf Youtube Videos, in denen er spricht. Daher ist mir seine Stimme durchaus bekannt. Im Garten würde er trotzdem nicht sprechen. Die meiste Zeit treffe ich ihn dort mit einer Münze in der Hand, die er über seine Fingerknöchel wandern lässt. Seine Jahrzehnte der Übung und Erfahrung lassen solche Kunststücke einfacher erscheinen als sie für mich sind. Bei ihm ist es eine fließende Bewegung und er könnte es ganz nebenbei machen. Beeindruckend. Bezaubernd. Verzaubernd.

Nach einiger Zeit dort zu sitzen und Teller mit der Münze zu sehen oder einfach nur die Anwesenheit von Personen dort zu genießen, bin ich dann eingeschlafen. Wenn die Bank frei genug ist, konnte ich mich auch oft dort liegend ausbreiten und so im Garten und real einschlafen.

Wie bereits oben geschrieben, steht es euch gestalterisch frei, was ihr davon übernehmt. Trotzdem einige Anregungen von mir, die ihr möglichst berücksichtigen solltet für den besten Effekt:

- Wer eine klare Anzahl Stufen zur Tür haben möchte, dem würde ich 20 empfehlen.
- Außerdem würde ich empfehlen zumindest einmal im Garten zu schnuppern und Gerüche aufzunehmen, selbst wenn ihr euch nicht konkret zu einer Blume beugt. Viel zu oft werden nur visuelle Aspekte bei solchen Übungen und Methoden angesprochen und angeregt. Tatsache ist aber, dass wir uns eher in eine Situation versetzen können, je mehr Sinne aktiviert werden. Geruch und Geschmack wird bei so etwas oft vernachlässigt. Durch das Riechen an einer Blume ist zumindest der Geruchssinn einmal kurz dabei.
- Eine Sitzecke ist natürlich keine Pflicht und auch keine Person oder Personen, die dort sitzen. Baut ruhig auch Überraschungen ein, so wie ich mich überraschen lasse, wer dort sitzt.
- Aus quasi "Sicherheitsgründen" würde ich empfehlen, wenn ihr Personen einbringt, dass es Personen sind, die ihr nicht direkt kennt oder wahrscheinlich eher nie kennen lernen würdet. Bekannte Personen könnten euch einmal verletzen oder enttäuschen. Diese Personen währen wahrscheinlich ohnehin dann nicht mehr im Garten. Allgemein ist es trotzdem ratsamer, von Anfang an keine bekannten Personen zu nutzen für Orte wie diesen Garten. Damit bleibt der Garten in jedem Fall ein sicherer Ort voll Freude.

Meine Hypnose-Freunde (ihr wisst, wer ihr seid) könnten sicher noch andere Empfehlungen aussprechen. Eventuell erweitere ich die Empfehlungen in meinem Text noch entsprechend den Kommentaren oder falls mir so noch wichtige Aspekte einfallen. Für's erste war's das. Ich wünsche euch viel Spaß und Freude in eurem Garten und süße Träume. Wer mag, kann seine Erfahrungen gerne hier mitteilen.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Samstag, 16. August 2014

Wir sind alle Menschen

Liebe Leserinnen und Leser,

am 1. Juni diesen Jahres berichtete Barbara Frost im Guardian unter der Überschrift Two girls died looking for a toilet. This should make us angry, not embarrassed (Zwei Mädchen starben auf der Suche nach einer Toilette. Das sollte uns wütend machen, nicht beschämt) über das Schicksal zweier Cousinen in Indien, die 14 und 16 Jahre alt waren. Die beiden wurden vergewaltigt und anschließend getötet auf der Suche nach einer Toilette. Der Zugang zu Wasser und einer Toilette sollten jedem Menschen möglich sein und jeder sollte Zugang dazu haben und sich sicher fühlen dabei.

Nur wenige Tage später brauchte ich fast zwei Stunden zu meinem Vater. Normalerweise 30 bis 40 Minuten, wenn es nicht gerade sonntags ist mit größeren Abständen von Fahrtzeiten. Es war mitten in der Woche an diesem Tag. Als erstes war die Anzeige der U-Bahn hier falsch. Die nächste Bahn käme in 1 Minute. Ich wartete effektiv 20 Minuten. Es kam auch keine Anzeige über die Verspätung, wie sonst üblich. Auch keine Durchsage. Hätte ich das gewusst, wäre ich die eine Haltestelle zur nächsten Bahn gelaufen. Wären 10 Minuten gewesen und ich hätte sowieso dort umsteigen müssen. Auf den Anschluss wartete ich dann noch 10 Minuten. Vier Haltestellen vom Bahnhof, der Endstation für mich, wurde die Bahn dann angehalten. Ich kann es kaum glauben, dass ich gerade zögere und um Worte ringe für das, was ich schreiben möchte. Ich hoffe und denke, dass Leser meines Blogs wissen, wie ich es meine. Eine Schulgruppe war in der Bahn und eine Schülerin hatte sich wohl über einen dunkelhäutigen Mann lustig gemacht, der sie daraufhin geschubst hatte. Die Bahn wurde angehalten und die Polizei gerufen. Genervt von den Verzögerungen meiner Fahrt stieg ich aus und ging die letzten Haltestellen zu Fuß zum Bahnhof die Einkaufsstraße runter. Was ich noch mitbekam war, dass der Mann wohl nur Englisch konnte. Was eine Verständigung wohl etwas erschwerte.

Letztes Jahr war ich mit meinem Vater und Schwester in Frankreich zur Zeit des Geubrtstags meiner Mutter. Als ich in Paris aus der Bahn stieg, wurde ich von einem Polizisten am Bahnsteig angehalten. Ich verstand nicht, was er mich auf Französisch fragte. Er fragte mich dann auf Englisch, ob ich Englisch spreche. Ich kam nicht dazu ihm zu antworten. Mein Vater war zurück gekommen und auch meine Schwester. Als der Polizist die beiden sah, ließ er mich einfach weiter gehen. Erst viel später kam mein Vater darauf, dass eventuell mein Schal, den ich um die Schultern trug, der Grund dafür gewesen war, dass mich der Polizist angehalten hatte. Der Schal ist grau mit schwarzen Vierecken, die mit schwarzen Linien miteinander verbunden sind. Man könnte sie für quasi arabische oder muslimische Muster halten. Wegen eines Schals bin ich angehalten worden? Aber es ist tatsächlich der einzige Grund, der auch mir in den Sinn kommt. Im Nachhinein bedauere ich, nicht nachgefragt zu haben. Es hätte mich interessiert. Was spielt es für eine Rolle, was jemand trägt für den Charakter oder das, was die Person möglicherweise denkt oder tut?

Irgendwann hörte ich eine Mitteilung im Fernsehen von einer Französin, wenn ich es noch richtig im Kopf habe. Sie studierte wohl islamische Kultur oder Arabisch oder etwas in der Richtung und wollte einmal nach Amerika reisen. Die Einreise wurde ihr verweigert. Ich kann mich nicht daran erinnern ob oder dass ein Grund genannt wurde. Möglicherweise wurde befürchtet, dass sie eine potentielle Terroristin wäre aufgrund ihres Studiums.

Vor vielen Jahren hatte ich für einige Zeit per Chatprogramm Kontakt mit jemanden aus einer Gegend, in der Voodoo praktiziert wird. Ich weiß nicht mehr, wo er her kam. Ich hatte bei meinem Programm die Profilbilder deaktiviert. Er hatte ein Bild von sich eingestellt. Er war dunkelhäutig. Er mochte mich wohl und wollte mich als Freundin haben. Leider konnte er nur gebrochen Englisch. Also hatte ich Probleme ihm klar zu machen, dass ich in Deutschland schlicht nicht seine feste Freundin sein könnte. Er wurde schließlich sauer. Er schob es auf seine Hautfarbe. Ich würde ihn jetzt nur ablehnen, weil er schwarz wäre. Ich versuchte ihm klar zu machen, dass ich bis gerade eben gar nicht gewusst hätte, dass er schwarz wäre, weil ich die Bilder gar nicht aktiviert hatte. Er verstand mich nicht, egal wie einfach ich versuchte mich auszudrücken. Seine Hautfarbe wäre der Grund für meine Ablehnung. Er bestand darauf. Er meinte, er würde zu einem Voodoo Priester gehen, um mich zu verfluchen. Damit ich auf ewig unglücklich wäre und mir etwas Schlimmes passieren würde. Ich würde schon sehen.

Dann ist da noch das Lied Prejudices von Tim Minchin. Soweit ich weiß, entstand es nachdem er in einem seiner Lieder zumindest in früheren Versionen etwas über Schwarze singt. Eigentlich gerade mit dem Argument, dass es nicht "die Schwarzen" gibt, die "alle" etwas bestimmtes machen, weil sie alle schwarz sind. Nach einem Konzert, bei dem er diese Zeilen sang, sprachen ihn dann trotzdem ein paar Schwarze an und drohten, er sollte das doch nicht mehr singen, sonst würde ihm etwas passieren. Eigentlich traurig, denn sie verstanden wohl den Sinn des Liedes nicht. Das Lied heißt "If you really love me" (Wenn du mich wirklich liebst) und die Zeilen früher lauteten " “We go together like a cracker and brie, like racism and ignorance, like niggers and R&B.” (Wir gehören zusammen wie Cracker und Brie, wie Rassismus und Ignoranz, wie Nigger und R&B). Einen ähnlich, meiner Meinung nach, wichtigen Punkt spricht an (bzw. besingt er) in in Confessions im ersten Teil. Frauen sollten nachts eine Straße entlang gehen können und keine Angst um ihr Leben zu haben.

Penn Jillette vom Zauberer Duo Penn & Teller hatte vor einigen Jahren kurze Videos veröffentlicht, Vlogs. Ich weiß den Titel nicht mehr und finde ein bestimmtes leider nicht mehr online. Er sprach sich darin dafür aus, dass er Menschen nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilt. Letztlich sind wir immerhin alle gleich. Wir sind alle Menschen. Die Hautfarbe spielt keine Rolle für wie wir sind. Unser Verhalten spiegelt unseren Charakter. Der Charakter hat aber mit der Hautfarbe nichts zu tun. Ich wünschte, mehr Menschen würden so denken. Die Hautfarbe eines Menschen sollte keine Rolle spielen für irgendwas.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Donnerstag, 31. Juli 2014

M&M: Stay

Liebe Leserinnen und Leser,

2005 kam "Stay" in die Kinos, der einer meiner Lieblingsfilme ist. Die Geschichte ist eher etwas düster und das Ende frustrierend offen. Was mir aber besonders gefällt sind die visuellen Elemente: der Einsatz von Farben und wie Übergänge zwischen einzelnen Szenen gestaltet wurden. Außerdem mag ich Ewan McGregor und Ryan Gosling, die beide die Hauptrollen in diesem Film spielen.

Ryan Gosling spielt Henry Letham, einen jungen Mann, den wir anfangs ein Auto fahrend sehen. Dann platzt ein Reifen, es kommt zu einem Unfall. Schnitt. Er sitzt auf der Straße und während die Kamera von ihm weg uns eine weitere Sicht zeigt, sehen wir, dass das Auto hinter ihm brennt. Er steht auf und geht einfach die Straße entlang weg.

Der Psychiater Dr. Sam Foster (Ewan McGregor) hatte eine schlechte Nacht und verschläft. Doch das ist erst der Anfang von ein paar sehr seltsamen Tagen für ihn. Als er auf dem Campus der Schule seine Freundin und Lehrerin Lila (Naomi Watts) trifft, fragt sie ihn was los ist. Das Baby der Nachbarn hätte ihn wach gehalten. Lila ist verwirrt. Denn die Nachbarn sind 80 Jahre alt. Sam übernimmt Stunden für seine kranke Kollegin und damit auch Henry als Patienten. Der ist erst gar nicht begeistert, dass plötzlich jemand anderes sein Therapeut ist. Ist seine Therapeutin etwa überfordert mit ihm und hat ihn deshalb einfach abgegeben? Aber er öffnet sich Sam schließlich und erzählt von seinem Plan: "Samstag um Mitternacht." Dann will er sich umbringen. Zu seinem 21. Geburtstag.

Im Verlauf des Films sehen wir Henry und andere Leute im Auto fahren. Die Szenen im Auto sind eine andere Zeit oder gar eine andere Welt(?) als der Rest und tatsächlich der größte Teil des Films. Ich glaube, ich nehme nicht zu viel vorweg, wenn ich schreibe, dass Henry tatsächlich vom Autounfall schwer verletzt praktisch im Sterben liegt. Die Psychiater-"Geschichte" spielt sich in seinem Kopf ab und ist seine Überlegung, ob er leben oder sterben soll und will. Eigentlich will er leben. Sonst hätte er sich auch nicht an Sam gewandt, der eigentlich ein Fahrer in einem anderen Auto ist und nun erste Hilfe leistet. Eine andere Frau, die Henry in seinem Kopf zu Sams Freundin macht, schaut im Auto nach und sagt ihm, dass die anderen tot sind. Vieles im Film ist eigentlich in Henrys Kopf verdreht und genutzt für die Realität in seinem Kopf. Einzelne Sachen davon zu erkennen, was wie genutzt wurde und was nun wie Wirklichkeit ist, macht für mich den Film durchaus interessant. Henrys voller Name ist Henry Letham. Letham als Annagramm von Hamlet. Eine Hamlet Vorführung probt dann auch eine junge Frau, die Henry einige Male in einem Diner bedient hat und die möglicherweise Henry helfen könnte.

Manche fragen sich am Ende, wie sich Henry denn nun entschieden hat. Denn es wird nie klar gezeigt, dass er tot ist oder lebt. Viele sind sich einig, dass die Entscheidung trotzdem eindeutig ist. Seht euch den Film an und entscheidet dann selbst. Wer von euch eher ruhige Filmmusik mag könnte Gefallen finden an der Filmmusik von "Stay" die Asche & Spencer geschrieben und gemacht haben.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Samstag, 19. Juli 2014

Multitasking ist Blödsinn

Liebe Leserinnen und Leser,

es wird oft gesagt, dass wir Frauen eher wähig sind mehrere Dinge auf einmal zu machen als Männer. Frauen sind multitasking fähig, Männer nicht. Oder sind wir letztlich doch alle unfähig zu Multitasking? Mag sein, dass ich hier gerade schreiben kann und gleichzeitig die Musik läuft und ich zusätzlich ein Chatfenster auf habe. Ich könnte sicherlich auch irgendwelche Übungen im Sitzen machen, während ich hier schreibe. Mental wäre meine Aufmerksamkeit allerdings definitiv geteilt und bei keinem der Dinge so ganz. Ohne jetzt Studien dazu recherchiert zu haben, würde ich stark annehmen, dass die Konzentration und Produktivität darunter leidet, verschiedene Dinge quasi "gleichzeitig" zu machen. Denn keines der Dinge wäre mit voller Aufmerksamkeit gemacht. Mal ganz abgesehen von der Frage, wie lange man es aushält, länger mehrere Dinge so geteilt gleichzeitig zu machen und dabei geistig und körperlich gesund zu bleiben.

Penn Jillette vom Zauberer Duo Penn & Teller hat einmal darüber gelesen, dass man lieber keine Musik hören sollte beim Radfahren. Weil es eben die Konzentration im Straßenverkehr beeinträchtigt. Streng genommen müsste man auch im Auto die Musik, das Radio, ausgeschaltet lassen. Hat Penn dann auch eine Zeit lang gemacht. Seine Erkenntnis ist nicht besonders überraschend: er stellte fest, dass er deutlich aufmerksamer war und mehr mitbekam im Verkehr.

Es gibt verschiedene Varianten einer Geschichte eines Zen-Meisters. Er wurde gefragt, was das Geheimnis seiner Erleuchtung wäre. " Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Wenn ich esse, dann esse ich", sagte der Zen-Meister. Der Schüler war verwirrt. Er waren fest überzeugt, dass er das auch machte. "Nein", sagte der Zen-Meister. "Wenn du aufsteht, denkt du daran, was du essen wirst. Wenn du isst, denkst du daran, wohin du gehen wirst."

Für Kenner dieser Geschichte gibt es quasi eine Fortsetzung. Der Zen-Meister sitzt am Morgen am Tisch, isst sein Frühstück und liest die Zeitung. "Meister", sagt der Schüler. "Hast du nicht gesagt, wenn du isst, dann isst du nur. Wenn du gehst, dann gehst du nur? Jetzt sitzt du hier und isst dein Frühstück und liest gleichzeitig die Zeitung. Ist das nicht ein Widerspruch zu deiner Lehre?" Darauf der Zen-Meister: "Wenn ich die Zeitung lese und frühstücke, lese ich die Zeitung und frühstücke nur."

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Montag, 14. Juli 2014

Erinnert euch einfach nur zu atmen

Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt diverse Entspannungstechniken, Kurse, Therapien und was nicht noch alles, um wieder entspannter zu werden, klarer denken zu können und/oder einfach mal wieder zur Ruhe zu kommen. Das einfachste und offensichtlichste wird dabei oft vergessen: einfach mal nur zu atmen. In einer angespannten Situation oder wenn wir nervös sind, reagieren wir viel zu oft mit flacher Atmung oder halten sogar die Luft an, statt tief durchzuatmen oder wenigstens normal weiter zu atmen.

Viele, die mit Bauchreden anfangen, werden wahrscheinlich feststellen, dass die Atmung, die man anwendet dafür, auf die Bauchmuskeln geht. Vor allem auf die, die wir sonst eher nicht so sehr beanspruchen. Oft liest man etwas von vernachlässigter Zwerchfellatmung. Als ob wir jemals wirklich ohne Zwerchfell atmen würden. Es stimmt schon, dass wir eher flach atmen und nicht bewusst tief in und aus dem Bauch heraus. Der Darm wird immer wieder das zweite Gehirn genannt. Genau so, wie wir manchmal gähnen, um unser Gehirn im Kopf zu durchlüften, tut es gut, den Bauch zu entspannen durch bewusstes atmen. Kostet nichts!

In dieser hektischen Zeit täte es uns allen gut wieder mehr zur Ruhe zu kommen. Meditation in dem Sinne ist nicht einmal zwingend nötig. Vielen fällt es sogar schwer, eine Weile nichts zu denken. Ich kenne Leute, die behaupten, sie würden besser unter Zeitdruck arbeiten. Manchen wird plötzlich langweilig, wenn sie nicht wenigstens noch fünf Dinge auf ihrer "To-Do Liste" haben. Irgendwann haben sie dann Burnout. Wer während einer Zeit der Ruhe mit dem Denken nicht völlig aufhören will, kann alternativ zum Beispiel von 1 bis 10 zu zählen und nach 10 wieder bei 1 anzufangen. Mit ein paar Wiederholungen, ohne darauf zu achten, wie viele male die 10 erreicht wurde.

Überhaupt wäre es manchmal nicht schlecht "erst zu denken, dann zu reden". Vor allem in Konfliktsituationen. In Noel Cowards "Private Lives" finden sich zwei Paare während ihrer Flitterwochen in einem Hotel. Wie es der Zufall so will, ist der Mann eines der Paare mit der Frau des anderen Paares früher zusammen gewesen. Durch angrenzende Zimmer finden sie sich nun wieder und streiten sich auch wieder. Eigentlich wollen sie nicht streiten. Sie schließen eine Abmachung: wenn einer der beiden merkt, dass sie wieder anfangen zu streiten, spricht die Person ein verabredes Schlagwort. Danach sprechen beide für zwei Minuten nicht mehr. Zwei Minuten mit der Option zur Verlängerung. Mir gefällt diese Abmachung sehr.

Bis zum nächsten Blog,
sarah

Mittwoch, 9. Juli 2014

Sinnliche Sinne

Liebe Leserinnen und Leser,

oft wünschen wir uns ein negatives Gefühl weg. Ich habe bereits in einem anderen Eintrag über die Möglichkeit von Schmerzkontrolle geschrieben. Schmerzen sind aber nicht die einzige Wahrnehmung, die wir bei uns oder anderen beeinflussen können. Positive Gefühle könnten wir genau so verstärken.

Im Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP) wird davon ausgegangen, dass wir für alle Gefühle eine Art Programm haben, das abläuft. Bestimmte Programme laufen ab und dann sind wir traurig. Bestimmte andere Programme laufen ab und dann sind wir fröhlich. Der Auslöser ist natürlich nicht immer gleich. Auch das Programm für ein bestimmtes Gefühl ist nicht bei allen Menschen gleich. Für einen bestimmten Menschen ist z. B. das Programm "Lachen" aber immer gleich. Das heißt, die Prozesse, die ablaufen, bis die Person lacht, sind gleich. In vielen Demonstrationen kann man Richard Bandler, einer der Entwickler des NLP, sehen, wie er bewusst Personen zum Lachen bringt. Nicht durch Witze, sondern er setzt, was man im NLP "Anker" nennt, quasi Auslöser. Werden diese wieder genutzt, hat die Person sofort wieder das Gefühl. Das mag als Demonstration lustig sein, wenn man jemanden nur beispielsweise auf die rechte Schulter tippen muss und sie krümmen sich vor Lachen.

Interessanter ist es erst dieses Wissen und diese Art Kontrolle über Gefühle und Wahrnehmungen bewusst im realen Leben steuert. Vor einigen Jahren muss ich mir einen Anker für Wärme gesetzt haben, ohne es zu merken. Leider viel zu oft passiert es eher mit negativen Ankern. Schockmomente führen zu Phobien oder jemand hat euch in einer bestimmten Weise grob angefasst oder auch nur zum Beispiel auf einer festen Weise auf die Schulter geklopft. Wenn jemand anderes euch in einer ähnlichen Weise anfässt oder auf die Schulter klopft, kommen (oft) unbewusst Erinnerungen wieder hoch und ihr spannt euch an, euch geht es schlecht. Auch lieb gemeinte Berührungen, können daher beim anderen negativ ankommen. Ich würde vor allem Personen im sozialen Bereich empfehlen auf solche Reaktionen zu achten und entsprechend die Berührung nicht zu wiederholen, wenn mit Anspannung oder ähnlich reagiert wird. Zurück zu meinem Anker für Wärme. Ich konnte mir mit der rechten Hand an die linke Schulter fassen und mir wurde deutlich wärmer. Auf einer Studienfahrt habe ich dies genutzt. Eine Terrasse im Freien befand sich einige Stockwerke unter unseren Zimmern. Ich wollte nicht umständlich hoch, eine Jacke oder Pullover holen und die interessanten Gespräche verlassen. Also fasste ich mir immer wieder an die linke Schulter.

Vor ein paar Jahren hatte ich eine Infektion erst an meiner rechten Hand, aber da sie eine Woche lang falsch behandelt wurde, übertrug sie sich auch auf die linke Hand. Manche Nächte wachte ich auf, bewusst um zu kratzen. Nur wenn ich wach war, konnte ich das unglaublich starke Bedürfnis zu kratzen meistens kontrollieren und beherrschen. Ich stellte mir dabei, ähnlich wie bereits im Schmerzkontrolle Eintrag beschrieben vor, dass ich in einem Wald wäre und meine Hände von kaltem Flusswasser umspült würden. Die Farbe blau half mir sehr und auch der Gedanke an Kühle von einem fließenden Fluss. Es wäre wie eine leichte Massage oder etwas ähnliches und blau ist ein Kontrast zu den von der Infektion roten Händen. In einer Nacht konnte ich länger nicht einschlafen und die Hände juckten sehr. Kratzen würde natürlich nichts nützen. Also stellte ich mir vor, dass die Hände eingegipst wären in blauem Gips. Selbst wenn ich mit eine Hand zur anderen reichen würde zum Kratzen, käme ich gar nicht ran. Der Gips wäre dazwischen. Also lag ich da, die Hände unbeweglich und sclief endlich ein.

Einmal kam ich nachts erst mit der U-Bahn nach Hause und musste dann den Rest, wie üblich, mit dem Fahrrad nach Hause fahren. Ich hatte nur eine dünne Jacke. In der Bahn hatte ich Musik gehört. Für die Fahrt mit dem Fahrrad machte ich den Player aus. Ich stieg aufs Fahrrad und fuhr los. Ich summte irgendeine Melodie vor mich hin. Als ich aus keinem bestimmten Grund einfach aufhörte zu summen, wurde mir plötzlich deutlich kalt. Seltsam, dachte ich mir. Ich fing wieder an zu summen und mir wurde wieder warm. Summen machte mich warm? Noch einmal hörte ich kurz auf zu summen, bis ich entschloss, den restlichen Weg über zu summen.

An kalten Winternächten hilft mir das gelbe Licht der Straßenlampen, dass mir etwas wärmer wird. Ich werde jetzt nicht im Detail darauf eingehen, sondern in einem anderen Eintrag separat darüber schreiben. Aber Musik kann, unter Umständen, meine Wahrnehmung der Zeit beeinflussen, dass sie für mich gefühlt schneller oder langsamer vergeht als real objektiv.

Wir alle können Einfluss nehmen auf unsere eigene Wahrnehmung und auf die anderer. Dafür müssen wir nur wissen, welche Sinne jeweils in welcher Art beeinflussen. Spinnen sind nicht an sich beängstigend, sondern werden es erst, wenn wir sie uns riesig groß vorstellen mit ihren langen dünnen Beinen und möglicherweise als seltsam pelzige Wesen mit vielen Augen, idealerweise noch in Farbe und wie sie sich bewegt und auf uns zu krabbelt. Ich habe normalerweise keine Angst vor Spinnen, obwohl ich keine unbedingt anfassen will. Wenn ich mir nun die Spinne in der beschriebenen Weise vorstelle, wird sie auch mir gruselig und unangenehm.

Eine so genannte NLP Fast Phobia Cure, eine kurze und schnelle Behandlung von Phobien, dauert bei Könnern unter Umständen gerade einmal 5 bis 10 Minuten. Vereinfacht und kurz ausgedrückt, wird dabei die Darstellung im Kopf überprüft, vor allem bildlich-visuelle Aspekte und Geräusche. Das heißt es können auch mehrere Sinne verändert werden. Je mehr Sinne verändert werden, desto intensiver ist das Erleben. Eine deutliche Veränderung kann aber auch schon bringen, wenn nur in einem Sinn verändert wird. Durch eine Umkehrung möglichst vieler Aspekte wird das, was vorher so beängstigend wirkte, ins harmlose Gegenteil gekehrt. Kalt wird heiß und heiß wird kalt. Schnell wird zu langsam und langsam wird zu schnell. Und vieles mehr. Ich kann jeden nur dazu einladen, zu experimentieren und bei sich selbst zu testen, was Einflussfaktoren sind und diese einfach zum Spaß zu verändern, um zu prüfen, was dann passiert. Im ungünstigsten Fall machen solche Veränderungen ein bisschen Spaß, im günstigsten Fall können sie wirklich helfen. So wie ich sie nutzt, um nicht zu kratzen oder damit mir nicht mehr kalt wäre.

Bis zum nächsten Blog,
sarah